desasteranalyse 2003 > Bergwerke > Lassing (1998)

Steckbrief


Ort des Geschehens

Lassing, Steiermark (Österreich)

Datum

17.07.1998

Ereignis

Einsturz des Talkbergwerkes der Naintsch Mineralwerke

Ursache

Wassereinbruch

Hergang

Illegale Abbaumaßnahmen destabilisieren das Bergwerksdach, Sprengungen initialisieren schliesslich den Einsturz des Daches

Folgen

10 Tote, 1 Überlebender, 500.000.000,- ATS Bergungskosten, Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen Werksleiter, Politische Unruhe um damaligen Wirtschaftsminister Fahrnleitner


Beschreibung







Am 17.07.1998 um ca. 11:30 verschwand der Fluss, der durch Lassing fließt, im Erdboden. Dies war der Auftakt des Einsturzes des Talkbergwerkes der Naintsch Mineralwerke, einer Tochtergesellschaft der Rio Tinto. Minuten später wurde der Bergmann Georg Heinzl, der sich in einem Stollen der sogenannten "Scheibe 1 a" in ca. 60 Meter Tiefe befand, durch Erd- und Schlammassen verschüttet.
Obwohl - wie später ans Tageslicht kam - der Notfallplan anderes vorsah, wurden 10 Bergleute in das Bergwerk geschickt, um - wie es anfangs hieß - Heinzl zu retten.

Um ca. 11:50 begann das Haus der Familie Maier im Erdboden zu versinken.
Um ca. 13:00 Uhr wurde das Bergwerk von den zuständigen Inspektoren und Managern begutachtet und als stabil befunden. Die "Rettungskräfte" setzten ihre Arbeit fort.
Um 13:30 Uhr wurde die Straße durch Lassing für den Verkehr gesperrt.
Um 22:00 Uhr kam es schliesslich zur Katastophe: die 10 Bergleute wurden beim entgültigen Kollaps des Bergwerkes in 130 Meter Tiefe verschüttet.



Dem vorherrschenden "Sommerloch" in den Medien war es zu verdanken, daß die mediale Aufmerksamkeit Österreichs mit aller Macht auf Lassing und den dort agierenden Rettungskräften sowie Politikern ruhte - allen voran der damalige Wirtschaftsminister Johannes Fahrnleitner.
Dieser zeichnete sich jedoch im Laufe der Rettungsarbeiten oftmals durch unglückliche Aktionen aus, so lehnte er mehrmals Hilfsangebote aus dem Ausland ab. Auch der Einsatzleiter der Rettungsaktion - Alfred Maier - zeichnete sich durch allzu frühes Aufgeben negativ aus.










Überhaupt war die gesamte Einsatzorganisation chaotisch. Die Meetings und Konferenzen zogen sich über Stunden dahin, ohne das konkrete Rettungskonzepte entwickelt wurden.

Trotz aller Fehlentscheidungen und Verzögerungen arbeiteten die Rettungskräfte und Helfer weiter und konnten schließlich am 10. Tag nach dem Einsturz durch Hilfe eines deutschen Grubenrettungsteams Georg Heinzl durch eine Rettungsbohrung  befreien.
Eine ähnliche Rettungsbohrung zu einer vermutete Luftblase im sogenannten "Dom" in 130 Meter Tiefe führte nicht zur erhofften Rettung der restlichen 10 Bergmänner. Weitere Rettungsversuche scheiterten ebenfalls, wodurch nach knapp 20 Tagen feststand, daß dieses Unglück 10 Menschenleben gefordert hat.
Spätere Gutachten brachten folgende - zum Zeitpunkt des Unglücks unbekannte - Tatsachen ans Licht:
  • Im Bergwerk wurde aus Gründen der Profitgier illegal Abbau über die erlaubten Grenzen hinweg getätigt. Somit wurde bis in instabile Regionen hinein geschürft.
  • Die 10 Kumpel wurden nicht ausschließlich zur Rettung Heinzls in die Mine geschickt, sondern vielmehr zur Sicherung letzterer, um eine Fortführung der Mine nach dem ersten Einbruch gewährleisten zu können.



Analyse


> Fehlertypen
> Fehlerarten und -behandlungen
> Verstöße
> Verursacher

> Komplexität und Kopplung
> Sicherheitssysteme und Überwachungskontrolle

> Reaktionen
> Risikoabschätzung
> Ausbildungsstand
> Design(alternativen)

Weiterführende Informationen


> [Austrian Mine Disaster: Rio Tinto Blamed] Chronologie und Stellungnahme des Konzerns
> [Das Wunder von Lassing] Abhandlung über die Rolle des Journalismus
> [Lassing: Das Großkapital geht über Leichen] Hintergrundrecherche
> [Profitgier mit Todesfolge] Bericht über die Aufdeckung der Hintergründe
> [Grubenunglück von Lassing] Zusammfassung
> [Gemeinde Lassing: Historisches] Homepage der Gemeinde Lassing: Geschichtsschreibung
> [Lassing: Interpretationen statt Ursachen] Reaktionen und Folgen auf das Unglück
> [Die Sicherheitseinrichtungen eines Bergwerks] Sicherheitstechnik